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Ein Archäologe für das Polizeimuseum

Tausche Kriminalermittler gegen Archäologen – das Polizeimuseum Hamburg hat mit Dr. Leon Ziemer einen neuen Museumsleiter.

Erstmals wird kein Polizeihauptkommissar die Ausrichtung des größten Polizeimuseums Deutschlands bestimmen, sondern ein Doktor der Archäologie. Wie Indiana Jones hat Dr. Leon Ziemer (38) Ausgrabungen unter anderem in Italien, Ägypten und Spanien koordiniert und betreut.  „Jetzt tausche ich Schaufel und Spitzhacke gegen Pickelhaube und Degen. Ich möchte das Polizeimuseum um kulturwissenschaftliche Aspekte bereichern und den Forschungsschwerpunt Hamburger Polizeigeschichte stärken“, erklärte Dr. Ziemer bei der Amtsübergabe. Sein Vorgänger, Kriminalhauptkommissar Joachim Schulz (63), hat sieben Jahre das Polizeimuseum geleitet, jetzt verabschiedete er sich in den Ruhestand. Unter seiner Leitung erzielte das Polizeimuseum jährlich mehr als 20.000 Besucher. „Ich gratuliere der Polizei Hamburg ausdrücklich zu ihrer Entscheidung, die Leitung des Museums vertrauensvoll in die Hände eines Experten mit wissenschaftlichem Hintergrund zu legen“, betonte Joachim Schulz sichtlich zufrieden. Als Kriminalermittler für Kunstdiebstahl, Betrug und Fälschungen hatte Schulz 2010 in Hamburg für Furore gesorgt – ihm ist es zu verdanken, dass der gestohlene Totenschädel von Seeräuber Klaus Störtebeker unbeschadet ins Museum für Hamburgische Geschichte zurückkehrte.

Übergabe der Museumsleitung
© Polizei Hamburg

Virtual Reality und Kulturgutschutz

Auch hier will Dr. Ziemer anknöpfen: Mit seinem Forschungs-Schwerpunkt zum Kulturgutschutz und dem illegalen Handel mit Antiken will er deutliche Akzente setzen. Zukunftspläne für das noch junge Polizeimuseum hat Dr. Ziemer reichlich. „Ich möchte die Möglichkeiten von Virtual Reality in Verbindung mit VR-Brillen nutzen, um polizeiliches Einsatzgeschehen für unsere Besucherinnen und Besucher deutlich erlebbarer zu machen. Das birgt die Chance, die zuweilen abstrakte Rolle der Polizei im Spannungsfeld von Staat und Bürger gleichermaßen innovativ wie niedrigschwellig zu erklären“, sagte Ziemer. Eine Sonderausstellung werde es in 2022 in jedem Fall geben. Die Lehrmittelsammlung habe einen umfangreichen Fundus an historischen Hamburger Polizei-Uniformen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben sind. „Jede Epoche und jede Staatsform hat ihre eigene Uniform und Spezialausrüstung. So wie sich die Polizeibekleidung verändert hat, haben sich auch die Aufgaben und das Selbstverständnis der Polizei im jeweiligen politischen System verändert. Mit solchen Exponaten machen wir Geschichte anschaulich“, so Ziemer weiter. Eine Herzensangelegenheit ist Dr. Ziemer die Nutzung des Museums als Lernort für Schulen, ebenso wie für Studierende und Auszubildende der Polizei-Akademie. „Da wünsche ich mir mehr“, so das kurze Statement von Ziemer.

Mit seinen hamburgischen Wurzeln fühlt sich Dr. Ziemer auch dem Hafen und der Seefahrt eng verbunden. Ehrenamtlich ist er als Vorstandsvorsitzender in der Deutschen Seemannsmission Hamburg-Altona e.V. tätig. In diesem Umfeld konzipierte er 2019 eine Sonderausstellung über die tragische Geschichte des Passagier-Schiffes „St. Louis“ und dessen Hamburger Kapitän Gustav Schröder. Dieser hatte bekanntlich vergeblich versucht, 937 jüdischen Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus nach Kuba in Sicherheit zu bringen. 

Forschung und Lehre stärken

Bereits seit 2018 ist Dr. Leon Ziemer in verschiedenen Bereichen der Polizei Hamburg beschäftigt, zunächst in wechselnden Abteilungen des Landeskriminalamtes Hamburg. Im Anschluss lehrte er an der Polizei-Akademie Informationstechnik und koordinierte die Entwicklung der digitalen Lehre. Kommissarisch übernahm er bis Ende 2021 die Geschäftsführung des Drittmittelprojektes „Attraktive und innovative Lehre für Polizeistudierende“ (DiBiPol). „Mit mir im Polizeimuseum werden Forschung und Lehre eine stärkere Gewichtung bekommen. Gleichzeitig werden wir aber auch am bewährten und geschätzten Konzept festhalten, dass Ehrenamtliche, die in der Mehrzahl Polizeibeamte sind, unsere Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellungen führen und begleiten“, betonte Dr. Ziemer.